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Stadtgeschichte

Castrop - Das Grundwort "trop" (torp, dorf, trup), das eine Gruppensiedlung bezeichnet, gehört zu den ältesten Bestandteilen von Ortsnamen. Das Bestimmungswort "Cast", welches das Grundwort "trop" näher erläutert, ist schwieriger zu erklären. Manche Forscher sehen in "Cas(t)" einen Personennamen, wie z. B. Karl; andere bringen es mit dem althochdeutschen Wort "kasto" (= Kasten) zusammen, das Scheune, Speicher bedeutet.

Ursprünglich kreuzten sich hier zwei Römerstraßen, und an dieser Stelle legten die Römer einen Militärposten an. Später haben durchreisende Händler diese verhältnismäßig sicheren Anlagen als Handelslager benutzt, um ihre Waren zu deponieren. Karl der Große hat in den Sachsenkriegen auf seinem Marsch nach Norden ebenfalls diese Römerstraßen benutzt. Er hat in Abständen entlang dieser Straßen Verpflegungslager und Stützpunkte angelegt, die sich aus dem Land ernähren mußten, die sogenannten späteren Reichshöfe.

Im Schutze dieser Reichshöfe entwickelten sich Ortschaften, so auch aus dem Reichshof Castrop (1905 abgebrochen, Erinnerungsstein in der Altstadt). Castorp = Dorf am Speicher.

Rauxel - Will man den Sinn dieses für heutige Ohren gewiß seltsam klingenden Namens ergründen, muß man auf die älteste uns bekannte Schreibung des Namens zurückgehen, sie lautet: Roukessele (1266).

Nach dieser Namenfolge wäre das heutige Rauxel von dem Bestimmungswort rouk (gesprochen ruk) abzuleiten. Rouk gleichbedeutend mit dem jüngeren rouch, einem mittelhochdeutschen, heute ausgestorbenen Wort für Krähe.

Zu dem Bestimmungswort rouk = Krähe gehört die Stammsilbe sel oder sele. Die Silben sil, sel, sal, sol, sul deuten nach Bahlow allesamt auf einen feuchten, moorigen Wiesengrund hin. Der Ortsname Rauxel, ursprünglich Roucsele, wäre damit gleich Krähenwiese. Diese Bezeichnung entsprach der Lage des Ortes. Der Sitz des Ritters Cesorius de Roukessele (1266), der später zu einem Schultenhof hinabsank, lag unweit der noch heute Brusel (Bruch-sel) genannten Schlucht, in deren feuchtem Grund ein Quellwasser entspringt.

Mehr als 1150 Jahre Castrop-Rauxel

Die Stadt Castrop-Rauxel ist erst 1926 durch Zusammenlegung von zehn Landgemeinden mit der Stadt Castrop-Rauxel entstanden und wurde 1975 nochmals vergrößert - um Henrichenburg. Sie ist also eine sehr junge Stadt, deren geschichtlicher Kern, Castrop, aber auf eine mehr als 1150jährige Geschichte zurückblicken kann. Das Gebiet der heutigen Stadt Castrop-Rauxel, als Villa Castorpe 834 erstmals urkundlich erwähnt, hat Anteil an zwei sich hier ablösenden gegensätzlichen Landschaften: dem Castroper Hügelland als Ausläufer der Ruhrhöhen und dem Emschertal als Beginn der westfälischen Tieflandbucht. Der Königshof Castrop und die zugehörige Freiheit befanden sich am Fuß des Castroper Hügellandes, das eine durchschnittliche Höhe von 120 bis 150 Meter erreicht und sich nach Norden in mehreren anmutigen Tälern öffnet.

Der weitaus größte Teil des mittelalterlichen Kirchspiels Castrop und der heutigen Stadt Castrop-Rauxel erstreckt sich jedoch nördlich des Castroper Hügellandes in die Niederungen des Emschertals. Die Bodenbeschaffenheit im Norden der heutigen Stadt Castrop-Rauxel, sandige, ehemals sumpfige und waldreiche Böden, förderten die Besiedlung dieses Gebietes in vorgeschichtlicher Zeit; wegen der geringen Ertragsfähigkeit entwickelten sich hier nur Streusiedlungen.

Auf dem fruchtbaren Lößboden des Castroper Hügellandes dagegen, worin auch das Gebiet der Altstadt Castrop eingeschlossen ist, entstanden geschlossene Dorfsiedlungen. Am 1. April 1926 wurde dann schließlich aus der Stadt Castrop, dem Amt Bladenhorst (Landkreis Bochum), dem Amt Rauxel (Landkreis Dortmund) und Teilen des Amtes Mengede (Landkreis Dortmund) die heutige Stadt Castrop-Rauxel gebildet, die sich weithin mit dem Gebiet des ehemaligen Gerichts Castrop deckte.

Am 1. April 1928 wurde Castrop-Rauxel kreisfreie Stadt. Die Entstehung der heutigen Stadt Castrop-Rauxel mit einer Einwohnerzahl von rund 80.000 und einem Flächengebiet von 51,66 km2 ist wie im ganzen nördlichen Ruhrrevier dem Beginn des Kohleabbaus nach der Mitte des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Diese damals im weiten Umfang einsetzende Industrialisierung, gefördert durch neue Abbaumethoden, die ein Abteufen in größeren Tiefen gestatteten, war es, die die gesamte Struktur der Wirtschaft, der Wohn- und Lebensweise, des Bevölkerungsstandes rapide und oft sprungweise veränderte.

In Castrop-Rauxel begann diese Veränderung im damals unbestrittenen wirtschaftlichen Mittelpunkt, der Amtsgemeinde Castrop. Am westlichen Stadtrand wurde hier 1867 die erste Zeche - Erin - von dem Iren Thomas Mulvany abgeteuft. Im Jahre 1872 kamen gleich zwei Schachtanlagen hinzu: die Zeche "Graf Schwerin" lag im Süden der heutigen Stadt auf der höchsten Erhebung des Castroper Hügellandes, die Victor- Schächte 1/2 wurden in der Emscherniederung in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs der seit 1847 hier verlaufenden Köln-Mindener-Eisenbahn niedergebracht.

Zu den Schächten Victor 1/2 kamen um die Jahrhundertwende die Schächte Victor 3/4 hinzu. Diese und die 1910 angelegte Zeche Ickern 1/2 lagen beide im äußersten Nordosten des Stadtgebietes im Stadtteil Ickern, die Zeche Ickern schon an der Grenze zur benachbarten Stadt Waltrop. Von den Castrop-Rauxeler Steinkohlebergwerken förderte nur noch bis Ende 1983 die Schachtanlage Erin.

Von großer Bedeutung jedoch war die Verarbeitung der bei der Koksgewinnung anfallenden Nebenprodukte in der chemischen Industrie. Rohteer und Koksofengas fanden willkommene Verwertung. In der Nähe der verkehrsgünstig gelegenen Zechen entstanden Großwerke, von denen heute nur noch die VFT AG, Verkaufsgesellschaft für Teererzeugnisse, mit 600 Mitarbeitern verblieben ist. Heute wird die Wirtschaftsstruktur von Castrop-Rauxel zu nahezu 100 % von mittelständischen Unternehmen geprägt.




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